Sofia bis Belgrad

­Das ist jetzt der 9 Bericht. (geschrieben von Andy)

Nach unserem Zwischenstopp in Sofia ging es wunderschön weiter. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns auf den Weg aus der Stadt. Nach rund 40km fing das Iskartal an. Entlang des Flusses Iskar ging es durch den Hohen Balkan. Es ist der leichteste und einer der schönsten Wege durch das Gebirge. Das Tal ist an manchen Stellen so schmal, dass kaum der Fluss, eine Straße und die Eisenbahnschienen nebeneinander passen. Es war gar nicht so einfach die Landschaft zu genießen und gleichzeitig den Schlaglöchern auszuweichen (davon gab es eine ganze Menge). Zwischen Fluss und Straße schlugen wir schließlich unser Zelt auf. Gerade als wir unser kleines Heim herausholten fing es heftig an zu regnen. Am nächsten Morgen hörte der Regen zum Glück auf und wir kamen trockenen Fußes weiter. Am Ausgang des Tales wurde es immer hässlicher. Das Tal wurde breiter und es gab viel heruntergekommene Industrie mit zerfallenen Häusern. Am Mittag probierten wir zum 3. Mal Bulgarischen „Käse“ alle drei waren miserabel. Wir kamen nun endgültig zu dem Schluss, dass es hier keinen guten Käse gibt. Am Abend riefen wir noch Monika und Martin an (die beiden Schweizer die ich in Istanbul traf). Wir verabredeten uns für den nächsten Tag in Vidin. Die beiden hat es nach Sofia gesundheitlich etwas angeschlagen und so war es für uns leicht sie einzuholen. An einem kleinen See schlugen wir schließlich unser Zelt auf.

70km waren es am nächsten Tag nach Vidin. Die Strecke war nicht sehr abwechslungsreich. Ein Traveler den wir beide vor einiger Zeit trafen sagte zu uns: „Achtet auf die Details“. Wer das wirklich bewusst macht wird merken, dass es immer einiges zu sehen gibt und wenn es nur die kleine einzelne Sonnenblume ist die weit ab der Felder ganz für sich blüht.

An der Stadtmauer trafen wir dann Martin und Monika. Steffi kannte die Beiden noch nicht, Ich hatte ihr aber schon von den zwei ausführlich berichtet.

Bevor ich es wieder vergesse die Seite der beiden: http://www.schlatter.bosshart.li

Alle gemeinsam genossen wir den Nachmittag am Ufer der Donau. Zwischen durch machte ich noch ein paar Fotos von dem Donauführer den die beiden dabei hatten. Es könnte vielleicht ganz nützlich sein in den nächsten Tagen nach Belgrad. Es wurde schon dunkel als wir uns schließlich verabschiedeten. Schon komisch ich hatte das Gefühl ich kenne die beiden schon viel länger.

Nach einem Besuch im Supermarkt machten wir uns im Dunkeln auf die Suche nach einem Plätzchen für dich Nacht. So ein Mist, In der Dunkelheit verlor Steffi ihren Tacho. Ich denke er hatte sich gelöst, als wir beide ihr Fahrrad über eine Grube hieften. Im Schein unserer Stirnlampen konnten wir aber nichts finden. Verständlicher Weise war Steffi deshalb schlecht drauf.

Am nächsten Morgen begaben wir uns nochmal auf die Suche nach dem armen kleinen einsamen Tacho der irgendwo in den Weiten des Feldes versunken ist. :-D Konnten aber wieder nichts finden. Nach ein paar Kilometern erreichten wir dann auch schon die Grenze zu Serbien. Schnell ein Stempel und wir waren auf der anderen Seite. Das war echt ein unterschied. Standen in Bulgarien noch alte Häuser stehen hier teils nagelneue oft mit einem Pool und schönem Garten. Wir fuhren auch an ein paar Friedhöfen vorbei, Hier gibt es nicht nur Grabsteine für die gestorbenen sondern auch für die, die noch leben. Das Geburtsjahr ist eingetragen und sonst nichts.

Auf dem Weg nach Kladovo sprachen wir in dem kleinen Ort Velesnica 2 Männer(Mitte 30) auf der Straße an. Wie sich herausstellte waren es Österreicher auf Heimaturlaub in Serbien. Schon kurz nach der Grenze waren uns die vielen österreichischen, deutschen und italienischen Kennzeichen aufgefallen. Die beiden luden uns ein etwas bei sich zu trinken (es war unerträglich heiß in der Sonne). Sie erzählten uns eine ganze Weile aus ihrer Kindheit und klärten uns über einige Dinge ihres Geburtslandes auf. Dies machte für uns einiges verständlicher und wir kamen uns nicht ganz so unwissend vor.

In Serbien gab es in den 80er Jahren eine groß Auswanderungswelle. Die meisten Bewohner eines Dorfes sind schließlich mehr oder weniger gemeinsam in einen Bereich eines anderen Landes gegangen. In Velesnica gingen die Leute nach Tirol in Österreich. In anderen Orten in Bereiche Dänemarks, Italien oder Deutschlands. Diese starke Auswanderungswelle beschränkte sich aber fast ausschließlich auf den Bereich an der Donau. Wenn nach den Ferien alle ausgewanderten Serben wieder in die neue Heimat gefahren sind, gibt es fast nur noch die alten Menschen, die die Stellung halten und diese werden auch immer weniger. „Die neue Generation die jetzt in Österreich aufwächst wird wohl nicht mehr hier her kommen“: befürchten die beiden.

Die Pause tat gut inzwischen brannte die Sonne nicht mehr so und wir konnten entspannter die starke Steigung nach Kladovo angehen. In der Stadt angekommen suchten wir noch schnell einen Bankautomat und einen Supermarkt. An Djerpa 1 (ein riesige Wasserkraftwerk aus der Sowijetzeit) fuhren wir schon in der Dämmerung vorbei. Leider gab es dort ein fotografier Verbot ich hätte gerne ein paar Fotos geschossen. Bis kurz vor Tekija konnten wir keine Übernachtungsmöglichkeit finden und inzwischen war es dunkel. In einer Regenrinne unterhalb der Straße schliefen wir dann mit einem schönen Blick auf die Donau.

Mo(8.8) fuhren wir bei heißem Wetter und Sonnenschein durch das Eiserne Tor. Nur zum Verständnis, das Eiserne Tor erstreckt sich von Goluback bis 10km vor Djerpa 1.

Es war wunderschön wie die Felsen Links und rechts der Donau steil nach oben gingen und der Fluss durch eine bis gerademal 150m breite Schlucht fließt. An dieser Stelle ist die Donau bis zu 90m tief. Leider verpassten wir es mit dem Boot durch die Engstelle zu fahren. An diesem Tag kamen wir nicht weit, wir hielten immer wieder an um Pause zu machen oder um zu fotografieren. Die vielen Brombeeren am Wegesrand waren für unser Tempo auch nicht wirklich dienlich (hmm…. war das lecker). Am Abend grüßten wir im vorbeifahren einen älteren Mann (wir waren gerade ordentlich am Berg hoch klettern mit unseren Rädern), der uns gleich zu sich winkte. Er schenkte uns jede Menge Äpfel und Birnen aus seinem Garten und sagte auf Serbisch „Das bringt Kondition“. Ein paar Kilometer weiter fanden wir dann auch ein schönes Plätzchen zum schlafen. Auf der rumänischen Seite begann bei Einbruch der Dämmerung ein Wolf an zu heulen. Wir waren beide froh, dass ihm keiner auf unserer Seite antwortete. Am Dienstag (9.8) radelten wir durch die Festung Goluback, das letzte offizielle Highlight bis Belgrad. Die Straße führt direkt durch die Ruine. In erster Linie wurde dieser Ort zum Sammeln von Truppen eingesetzt. Besichtigen konnten wir hier nichts. Nach meiner Begegnung mit einer Sandviper hatte ich aber von der Ruine genug. Das Tierchen ist gerade hinter mir vorbei geschlängelt, als ich auf einem Stein saß. Steffi fand es eher amüsant wie ich etwas aufgebracht von der Schlange erzählt habe. Ihr müsst wissen, ich mag schlangen nicht wirklich gern. Ehrlich gesagt liegt es auch viel daran, dass ich nicht viel über die Tiere weis. Das was ich über diese Schlange wusste ist, dass es die giftigste in Europa ist und dass sie einem Menschen durchaus gefährlich werden kann.

In Ram ging es mit der Fähre auf die andere Seite der Donau. Dort angekommen verfuhren wir uns erst mal. Igor ein Ortsbewohner führte uns aber schließlich auf den richtigen Weg. Am Donaudamm hatten wir dann einen Streifen von 100m x 24km nur für uns, dachten wir. Wir stellten an diesem Abend das erste Mal fest das Stechmücken auch in Schwärmen vorkommen. Hunderte dieser kleinen Biester machten uns und unserem Autanspray den Abend schwer.

Der letzte Tag bis Belgrad begann mit einem 20km langen Stück auf dem Damm. Anfangs fuhr es sich recht gut, später war der Weg ein einziges Waschbrett (kleine Bodenwellen). Ich hatte echt Angst um meinen Rahmen, der inzwischen auch schon einiges ertragen musste. Die Landschaft neben dem Weg entschädigte uns aber um ein vielfaches. Nahezu die ganze Zeit hatten wir den Eindruck wir fahren durch ein Biotop. Es gab viele verschiedene Vögel und Pflanzen in einer wunderschönen Szenerie zu beobachten. Ich versuchte den Moment mit der Kamera einzufangen und bin kläglich gescheitert! In Kovin wechselten wir auch schon wieder die Flussseite und fuhren Richtung Belgrad. In Smederevo legten wir an einer Ruine noch einen Stopp ein. Sie bestand allerdings nur aus einem Mauerring. Im Europaradführer laß ich, dass es einen Anstieg nach Belgrad von rund 170hm gab. Naja es gab 2 und sie waren fast beide gleich hoch. Nach dem ersten Anstieg wollten wir an einem von vielen Obstständen ein paar Pfirsiche kaufen. Ein älterer Mann sah uns mit den Rädern und kam gleich um uns ein paar Trauben zu schenken. Als Steffi dann noch die Pfirsiche, die sie eigentlich kaufen wollte, geschenkt bekam war dies für sie sehr ungewohnt. Geschenke anzunehmen musste ich mit der Zeit auch erst lernen. Als deutsche sind wir es nicht gewohnt etwas geschenkt zu bekommen. Die Menschen freuen sich hier einfach etwas Gutes getan zu haben, besonders wenn Traveler mit Rädern sich gerade einen Berg rauf gequält haben und entsprechend abgekämpft aussehen. Die Fahrt in den Ortskern von Belgrad war echt hart. Auf einer schmalen Straße gab es viele LKWs, Busse und noch mehr Schlaglöcher. Irgendwann sind wir dennoch im Hostel angekommen.

Heute also am 11.08.2011 waren wir so richtig in Belgrad angekommen. Im Internet haben wir ein wenig geschaut, was wir uns anschauen wollen.(Es gibt 2 Fakten die ich über diese Stadt unglaublich fand. Belgrad wurde in seiner Geschichte 40mal wieder aufgebaut und die Stadt hat 65 Parks.) Allerdings machten wir am Morgen erst mal die Wäsche und suchten einen Radladen. Ich brauchte eine neue Batterie für meinen Tacho und Steffi einen neuen Tacho. Es gibt einige Fahrradläden in Belgrad. Direkt beim ersten wurden wir fündig. Sigma Tachos sind hier sehr teuer. 32€ kostete der neue. Naja da mussten wir wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Auf dem Stadtplan vom Hostel gab es jede Menge Sehenswürdigkeiten die wir gar nicht alle schaffen konnten. Stück für Stück gingen wir die verschiedenen Punkte ab. Sehr lustig waren die Kuhmodelle die in der Stadt verteilt waren und alle unterschiedlich bemalt sind. Es gibt sehr schöne Stellen in Belgrad sie alle aufzuzählen fände ich blöd. Es gibt aber 2 Stellen die uns besonders gut gefallen haben. Zum einen die Crkva Svetog Marka Kirche mit ihrem schönen inneren und zum anderen die Kalemegdan Festung mit ihrer Lage und Aussicht.

Der Nächste Abschnitt geht entlang der Donau nach Budapest. Vermutlich sind wir in einer Woche dort. (wohl eher weniger)